Forschungsprojekt BEVOR

Patienten-relevante Auswirkungen von Behandlung im Voraus Planen: cluster-randomisierte Interventionsstudie in Seniorenpflegeeinrichtungen

Trotz gesetzlicher Verankerung von Patientenverfügungen (2009) kommt es bei gesundheitlichen Krisen mit Einwilligungsunfähigkeit zu Unter- oder Übertherapie mit weitreichenden Folgen für alle Beteiligten, da Patientenverfügungen häufig nicht aussagekräftig, valide oder auffindbar sind. Das Konzept Behandlung im Voraus Planen (BVP) hat zum Ziel, dass Menschen so behandelt werden, wie sie das wollen und im Voraus festgelegt haben, auch wenn sie sich nicht mehr selbst äußern können. Hierfür sind auf systemischer und individueller Ebene grundlegende Veränderungen im Sinne einer Patienten-Zentrierung erforderlich.

Ziel des Projekts und methodisches Vorgehen

Ziel der Studie ist zu prüfen, ob die Einführung des BVP-Programms der Deutschen interprofessionellen Vereinigung Behandlung im Voraus Planen e.V. (www.div-bvp.de) dazu führt, dass Personen in stationären Pflegeeinrichtungen vermehrt ihren Wünschen gemäß behandelt werden. Im Rahmen der Studie soll überprüft werden, ob die Intervention folgendes bewirkt:

•    eine höhere Rate von Personen, deren Behandlungswille (a) bekannt ist und (b) Beachtung findet,
•    eine erhöhte Wahrnehmung dieser Übereinstimmung,
•    eine Reduktion ungewollter Krankenhaus-Einweisungen (primärer Endpunkt),
•    reduzierte Raten ungewollter invasiver Behandlungen
•    häufiger das Zuhause als Sterbeort möglich wird

Es handelt sich um eine multi-zentrische cluster-randomisierte Interventionsstudie. Nach Randomisierung erhält die Hälfte der 40 Einrichtungen eine multimodale Intervention (Interventionsgruppe), die übrigen Einrichtungen Usual Care (sowie nach der Beobachtungsphase eine Delayed Intervention) (Kontrollgruppe). 21 Monate nach Interventionsbeginn erfolgt ein Gruppenvergleich über die zurückliegenden 12 Monate. Hinzu kommen gemäß MRC eine Prozessevaluation sowie eine gesundheitsökonomische Evaluation.

Intervention

Die multimodale komplexe BVP-Intervention umfasst:

  • Qualifizierung von BVP-Gesprächsbegleiter*innen und in der Folge Gesprächsbegleitungen gemäß § 132g SGB V
  • Institutionelle und regionale Implementierung von BVP: z.B. Qualifizierung von Hausärzt*innen des Personals von Krankenhäusern und Rettungsdiensten sowie weiterer regionaler Akteure, Unterstützung bei der jeweiligen institutionellen Organisationsentwicklung.

Beteiligte Einrichtungen

  • Konsortialführung und Studienzentrum Düsseldorf: Institut für Allgemeinmedizin, Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität
  • Studienzentrum Göttingen: Institut für Allgemeinmedizin & Klinik für Palliativmedizin, Universitätsmedizin Göttingen
  • Studienzentrum Halle: Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft & Institut für Geschichte und Ethik in der Medizin, Martin-Luther-Universität Halle
  • Studienzentrum München: Klinik für Palliativmedizin, Klinikum der Universität München & Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, LMU München
  • Methodik und Analyse: Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, UKE Hamburg
  • Datenmanagement und -monitoring: Koordinierungszentrum für klinische Studien (KKS), HHU Düsseldorf
  • Gesundheitsökonomie: Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Centre for Health and Society (chs), Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Beratung (Transfer in die Regelversorgung): BARMER Ersatzkasse

Projektdaten- und förderung


Studienregistierung: Clinical trials 01VSF18004

Projektfinanzierung: Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (Innovationsfond): Förderkennzeichen 01VSF18004; Fördersumme 2.526.614 €

Kontakt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Nicola Rieder, M.sc.

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Prof. Dr. rer. biol. hum. Henrikje Stanze

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Regionale Implementierung von "Behandlung im Voraus planen" (BVP)

Stadt und Landkreis Göttingen

Regionaler BVP-Koordinator

Torben Gebert

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